Das Risiko, bei der Arbeit einen Unfall zu erleiden, ist in Deutschland 2025 erneut gesunken. Das zeigen die aktuellen Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Wir fassen die wichtigsten Ergebnisse zu Arbeits-, Wege- und Schulunfällen sowie zu Berufskrankheiten zusammen und ordnen ein, was sie für den Arbeitsschutz in Ihrem Betrieb bedeuten.
Arbeitsunfallrisiko 2025: Die wichtigsten Zahlen
Nach den Geschäfts- und Rechnungsergebnissen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen kamen 2025 auf 1.000 Vollzeitäquivalente 19,9 meldepflichtige Arbeitsunfälle – 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr.
Die Bilanz für 2025 im Überblick:
- 689.922 meldepflichtige Arbeitsunfälle bei abhängig Beschäftigten und Unternehmern (– 3,1 %)
- 170.306 meldepflichtige Wegeunfälle (+ 1,0 %)
- 299 tödliche Arbeitsunfälle
- 231 tödliche Wegeunfälle
- 12.645 neue Unfallrenten aufgrund eines Arbeits- oder Wegeunfalls
Gleichzeitig blieb die durchschnittliche Beitragsbelastung der Unternehmen stabil bei 1,08 Euro je 100 Euro Lohnsumme.
„Die durchschnittliche Beitragsbelastung der Betriebe ist stabil geblieben, trotz allseits gestiegener Kosten. Die aktuelle Bilanz zeigt: Investitionen in Prävention tragen dazu bei, schwere Arbeitsunfälle zu verhindern und das entlastet auch die Solidargemeinschaft.“ – Dr. Stephan Fasshauer, DGUV
20 Jahre im Vergleich: 2005 und 2025
Der langfristige Trend fällt noch deutlicher aus. Bei den Arbeitsunfällen im betrieblichen Kontext zeigt der Vergleich:
- meldepflichtige Arbeitsunfälle: von 849.856 auf 689.922
- neue Unfallrenten: von 16.869 auf 9.157
- tödliche Arbeitsunfälle: von 601 auf 299 – mehr als halbiert
- Unfallquote: von 27,34 auf 19,94 Arbeitsunfälle je 1.000 Vollzeitäquivalente
Auch der durchschnittliche Beitrag ist gesunken: von 1,30 Euro im Jahr 2005 auf 1,08 Euro im Jahr 2025 je 100 Euro Entgelt.
Vorläufige Zahlen: Rund 24.000 Arbeitsunfälle weniger
Bereits vor den endgültigen Ergebnissen hatte die DGUV vorläufige Unfallzahlen für die gewerbliche Wirtschaft und die öffentliche Hand veröffentlicht. Sie beruhen auf den eingegangenen Unfallanzeigen und zeigen die gleiche Tendenz:
| Bezeichnung | 2024 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Meldepflichtige Arbeitsunfälle | 754.660 | 730.598 | – 3,2 % |
| Meldepflichtige Wegeunfälle | 173.483 | 175.140 | + 1,0 % |
| Tödliche Arbeitsunfälle | 345 | 335 | – 2,9 % |
| Tödliche Wegeunfälle | 215 | 245 | + 14,0 % |
| Neue Arbeitsunfallrenten | 9.923 | 9.690 | – 2,3 % |
| Neue Wegeunfallrenten | 3.547 | 3.636 | + 2,5 % |
Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle erreichte mit 335 Fällen das dritte Jahr in Folge einen neuen Tiefststand.
Bei den Arbeitsunfällen verzeichneten die gewerblichen Berufsgenossenschaften einen Rückgang von 684.352 auf 661.414 Fälle (– 3,4 %), die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand von 70.308 auf 69.184 Fälle (– 1,6 %).
Bei den Unfallrenten ist zu beachten: Zwischen Unfallereignis und Rentenfeststellung liegt häufig ein längerer Zeitraum. Hier können sich die pandemiebedingten Rückgänge der Unfallzahlen weiterhin auswirken.
Warum sich die Zahlen unterscheiden
Die vorläufigen Werte basieren auf den Unfallmeldungen, die endgültigen auf den Geschäfts- und Rechnungsergebnissen der Unfallversicherungsträger. Deshalb weichen die absoluten Zahlen voneinander ab. Für Vergleiche sollten Sie immer Werte aus derselben Datengrundlage heranziehen.
Wegeunfälle: Der Trend zeigt in die andere Richtung
Während die Arbeitsunfälle sinken, nehmen die Wegeunfälle zu. Die meldepflichtigen Wegeunfälle stiegen um 1,0 Prozent, die Zahl der tödlichen Wegeunfälle nach den vorläufigen Zahlen um 30 Fälle. Auch die neuen Wegeunfallrenten legten um 2,5 Prozent zu.
Einen Schwerpunkt bildet dabei das Radfahren: Rund 34.000 Arbeits-, Dienstwege- und Wegeunfälle von Rad-, E-Bike- und Pedelecfahrenden verzeichnete die DGUV im Jahr 2024. Gleichzeitig wurden über 93.000 Fahrrad- und Pedelec-Fahrende im Straßenverkehr verletzt.
Unfallkassen, Berufsgenossenschaften und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) haben deshalb die gemeinsame Schwerpunktaktion „Sichere Radfahrmobilität auf Arbeits- und Dienstwegen“ gestartet. Unternehmen, Kommunen und öffentliche Einrichtungen finden im Medienportal der Aktion unter anderem:
- Filme
- Seminarmaterialien und Präsentationen
- Broschüren und Faltblätter
- Poster und Aktionsaufsteller
Schulunfälle und Berufskrankheiten
Schulunfälle steigen
In Schulen, Hochschulen und der Kindertagesbetreuung entwickelten sich die Unfallzahlen nach oben:
- 1.032.546 meldepflichtige Schulunfälle (+ 2,0 %)
- 90.663 meldepflichtige Schulwegunfälle (+ 3,8 %)
- 30 tödlich Verunglückte – fünf bei einer Tätigkeit im Verantwortungsbereich einer Bildungseinrichtung, 25 auf dem Weg dorthin bzw. nach Hause
Berufskrankheiten normalisieren sich
Nach den hohen Fallzahlen während der COVID-19-Pandemie normalisiert sich das Berufskrankheitengeschehen weiter:
- 91.250 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit (+ 0,6 %) – unter anderem wegen vermehrter Anzeigen zu Hautkrebs und Muskel-Skelett-Erkrankungen
- 24.340 anerkannte Berufskrankheiten (– 9,3 %), vor allem durch den weiteren Rückgang von Covid-19-Fällen
- 5.413 neue Renten aufgrund einer Berufskrankheit (+ 4,3 %)
- 1.772 Todesfälle infolge einer Berufskrankheit (– 6,1 %)
Was die Zahlen für Ihren Betrieb bedeuten
Die DGUV-Bilanz bestätigt: Prävention wirkt. Sinkende Unfallzahlen sind jedoch kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis einer funktionierenden Arbeitsschutzorganisation – mit aktueller Gefährdungsbeurteilung, wirksamen Unterweisungen und engagierten Menschen im Betrieb.
Gleichzeitig zeigen die steigenden Wegeunfälle, dass Sicherheit nicht am Werkstor endet. Gerade Arbeits- und Dienstwege mit dem Fahrrad oder Pedelec sollten Sie in Ihrer Präventionsarbeit berücksichtigen.
Konkrete Ansatzpunkte für Unternehmen:
- Gefährdungsbeurteilung regelmäßig überprüfen und an veränderte Arbeitsbedingungen anpassen
- Unterweisungen wirksam gestalten – auch zu Verkehrssicherheit auf Arbeits- und Dienstwegen
- Sicherheitsbeauftragte qualifizieren und aktiv einbinden
- Führungskräfte für ihre Verantwortung im Arbeitsschutz sensibilisieren
Unsere Empfehlung
Nutzen Sie die aktuelle Unfallstatistik als Anlass, Ihre Arbeitsschutzorganisation auf den Prüfstand zu stellen. Die Bildungsakademie für Arbeitssicherheit und Brandschutz (BAB) unterstützt Sie dabei – zum Beispiel mit den Seminaren Gefährdungsbeurteilung – Grundlagen, Unterweisung richtig durchführen und der Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten.
Quellen: DGUV – Vorläufige Unfallzahlen 2025 (Allgemeine UV), DGUV Kompakt 2/2026 – Zahl der Arbeitsunfälle sinkt in 2025, DGUV Kompakt 5/2026 – Arbeitsunfallrisiko sinkt weiter
Fazit & Handlungsempfehlung
Das Wichtigste in Kürze – so setzen Sie die Erkenntnisse aus diesem Beitrag im Betrieb um:
- Das Arbeitsunfallrisiko ist 2025 auf 19,9 meldepflichtige Unfälle je 1.000 Vollzeitäquivalente gesunken
- Tödliche Arbeitsunfälle haben erneut einen Tiefstand erreicht
- Wegeunfälle und tödliche Wegeunfälle nehmen zu – Verkehrssicherheit gehört in die Unterweisung
- Gefährdungsbeurteilung und Unterweisungen regelmäßig überprüfen und aktualisieren
- Sicherheitsbeauftragte aktiv in die Prävention einbinden
Häufige Fragen (FAQ)
Autor
Guido Burckert
Experte für Arbeitssicherheit und Brandschutz, Akademieleiter der Bildungsakademie für Arbeitssicherheit und Brandschutz in Herne. Über 20 Jahre Erfahrung in der betrieblichen Praxis.